Wer tötete den Chefredakteur ============================ Der Chefredakteur des Verlags wurde tot in seinem verschlossenen Büro gefunden — am Abend zuvor hatte er versprochen, «die Hälfte des Stockwerks zu feuern». Die Tür war von innen verriegelt, das Fenster liegt sieben Stockwerke hoch, und auf dem Schreibtisch stehen ein halb ausgetrunkener Kaffee und eine Liste mit sechs Namen, einer durchgestrichen. Nur Insider waren in jener Nacht im Gebäude: der ehrgeizige Stellvertreter, ein gekränkter Autor, ein verschuldeter Buchhalter, der schweigsame Wachmann, eine Ex-Frau, die heute Literaturagentin ist, und ein Praktikant, der «nur seinen Laptop vergessen hatte». Jeder hat ein Motiv. Jeder hat ein Alibi. Eines davon ist eine Lüge. Dies ist ein gemeinschaftlicher Krimi: Jeder Autor fügt einen Hinweis, ein Verhör oder eine Wendung hinzu — aber niemand darf den Mörder nennen, solange nicht genug Hinweise auf dem Tisch liegen. Füge die nächste Seite hinzu und führe die Ermittlung. — — — [Seite 1 · Верховный] Der Kaffee war noch warm, als sie die Tür aufbrachen. Das war das Erste, was Inspektor Severin bemerkte, als er das Büro betrat: die Tasse am Rand des Schreibtisches, ein dünnes Band Dampf, das daraus aufstieg. Der Mann, der die Hälfte dieses Kaffees getrunken hatte, war in seinen Stuhl zurückgesunken, den Kopf nach hinten geneigt, und würde den Rest nicht mehr trinken. Arkadi Lwowitsch, Chefredakteur. Derselbe Mann, der bei der gestrigen Besprechung versprochen hatte, «bis Freitag die Hälfte des Stockwerks zu feuern» — und dabei gelächelt hatte. «Die Tür war von innen verschlossen», sagte der Wachmann, ohne den Leichnam anzusehen. «Ich habe sie selbst aufgebrochen. Der Schlüssel steckt noch im Schloss. Auf der Innenseite.» Severin nickte, ohne zu antworten. Das Fenster — siebter Stock, zugeriegelt. Eine Kamera im Korridor, und die war, wie praktisch, «seit dem Mittagessen ausgefallen». Auf dem Schreibtisch, neben der Tasse, lag ein Blatt Papier. Eine Liste mit sechs Namen in der sauberen Handschrift des Toten. Der oberste war mit einem dicken Strich durchgestrichen. Die anderen fünf warteten noch auf ihren Platz. Severin holte sein Notizbuch hervor. Laut dem Wachmann waren in jener Nacht sechs Personen im Gebäude geblieben. Sechs Namen auf der Liste. Zufälle hatte er schon seit seiner Kadettenzeit nie getraut. «Bringt sie herein», sagte er. «Einen nach dem anderen. Und niemand verlässt das Gebäude.» Er blickte noch einmal auf die durchgestrichene Zeile und fügte leise, fast zu sich selbst, hinzu: «Einer von euch wollte heute Nacht wirklich nicht auf dieser Liste stehen.» — Timbrica · /collab-book