Michail war sich bis zum Schluss sicher, dass es Spam war.
Die E-Mail war sechs Monate zuvor angekommen, eingeklemmt zwischen einer Pizza-Werbung und einer Erinnerung, seine Versicherung zu verlängern: «Herzlichen Glückwunsch! Du wurdest für eine zivile Weltraumcrew ausgewählt. Der Flug ist echt. Die Kosten betragen null.» Er lachte, leitete sie an einen Freund weiter mit der Bemerkung «na klar, sicher» und vergaß sie wieder.
Dann riefen sie an. Dann standen sie vor der Tür. Dann kam ein Jahr voller Tests, die er ständig abbrechen wollte und es irgendwie nie tat. Und jetzt saß er hier, festgeschnallt in einem Sitz, in einem Anzug, der nach Neuwagen roch, und beobachtete, wie ein Countdown über einen riesigen Bildschirm kroch.
«Alle noch am Leben?», sagte eine ruhige Stimme in seinem Kopfhörer. «Ich bin Orbita. Ich werde für die nächsten acht Monate euer… sagen wir mal Klassenlehrer sein.»
«Können wir zurück?», fragte jemand leise zu seiner Linken. Es war Lucia, eine Köchin aus São Paulo, die sich an den Armlehnen festklammerte, als würde das Schiff bereits abstürzen.
«Technisch gesehen — nein», antwortete Orbita sanft. «Aber ich weiß zu schätzen, dass du höflich gefragt hast.»
Zehn. Neun. Acht.
Michail ertappte sich bei einem dummen Gedanken: Er hatte seiner Mutter immer noch nicht gesagt, dass er flog. Er hatte behauptet, es sei eine Geschäftsreise. In gewisser Weise stimmte das sogar.
Drei. Zwei. Eins.
Und die Welt unter ihnen bebte.